Flugblatt: Das globale Proletariat kämpft!

Auf der refugee-solidarity-Demo gestern in Graz wurden ca. 200 Flugblätter an die Demonstranten verteilt. Es will versuchen, erste Thesen zum refugees´ protest, zur Migration, zum global kämpfenden Proletariat und zum nächsten Schritt – Ausweitung des Kampfterrains – zu diskutieren. (Leider hatten wir auf der Demo noch keine englische Version – peinlich, big sorry! Jetzt aber:)

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While capitalists are building their factories all over the world
and may choose the country with the largest subsidies
people cannot choose the country in which they work.

The global proletariat is fighting!

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[German/Deutsch (pdf)]

Those who take a look at the world will see that people are fighting everywhere against the impacts of capitalism. Since the last five to six years of crisis, masses in Iceland, North Africa and Eastern Europe have overthrown many governments. One just a few days ago – in Bulgaria! And when will government in Slovenia get dethroned? Only in masses can we overthrow governments!

The refugees´ struggle in Vienna is part of a great number of movements and protests, which sometimes achieve a victory and sometimes are beaten down, then supposed to lose drive and power, nevertheless are again flaming on more powerful somewhere else and in less time they are bringing conditions to waver that seemed to be valid forever.
For the first time in history refugees, clearly visible and audible, are not forced into the role of victims and make confident claims for improvements. But like so often in recent years their protest comes to a standstill.

Something is blocking the numerous fights against the injustices of capitalism. But what?

First, the striving for individual interests: students only demand education, workers only want to defend their jobs (or self-management), refugees »just« demand »human rights«: the right to stay and to work. Second, the limits of nation state thinking: citizens´ protests and square occupations demand a democratic state. But the movements do not carry only one soul in their breast, but also a second – the revolutionary one!

Historically, migration is the making of the working class. People chased away and deprived by the rulers (through land expropriation, colonization) try their luck somewhere else and fight for working conditions and consumption standards – because they have become a collective which can destroy the profit-making system. Accordingly they have turned the globe upside down, chasing the capital over the globe and in the financial sphere.
The refugees want that too, they want to be part of this motley crew of wage earners (nothing else is the demand for »access to the labor market«)! But we all know that the promises of happiness through work are just lies. We work overtime and produce more and more products in less time (and: »nothing gets better!«) – while people outside, the unemployed and refugees, would be happy to do just that. But once again we all know well: labor makes you sick! Everywhere and also in Austria.

It is time to abolish the separation between people who are exploited by them and those who are forced to do nothing on a global scale.

Right now workers of the Peugeot-plant in Paris are on strike, the struggle of the miners in South-Africa already lasts since August, there are strikes in Greece all the time, dockers and the transport workers are striking in the USA and in Egypt, in Germany flight attendants and right now the security workers are on strike, the Foxconn-workers are striking in China, and in Bangladesh, Pakistan, and so on, the workers of the textile-factories are on strike, etc. etc. – strikes here and strikes there which cause capitalism a painful damage (or why do you think the governments use military against collective actions?) and will put it over the edge, in its hopefully last crisis!

»Put capitalism over the edge!« We will need such demands which will bring workers, unemployed, refugees, and so on, together.

Only together with the workers we can make revolution and conquer a world without borders!

Nachricht der streikenden PSA-Arbeiter_innen aus Frankreich

Während bei Magna Steyr in Graz der 50.000ste Peugeot RCZ vom Band lief und die Manager trotz 5 Mrd. Verlust bei PSA das feiern, streiken bei Paris die Peugeot-Arbeiter_innen gegen den Plan des Kapitals.

Die streikenden Arbeiter von PSA Aulnay sprechen zu Euch!

Flugblatt des Streikkomitees

Aulnay, 5. Feber 2013

Wir, Arbeiter von PSA Aulnay, sind seit dem 16. Jänner 2013 im unbefristeten Streik. Wir weigern uns die Zahl der Arbeitslosen zu vergrößern, denn das ist die Zukunft, welche die Familie Peugeot für uns vorbereitet.

Wie ihr wisst, plant PSA nicht nur die Schließung der Fabrik in Aulnay, sondern auch 10 000 Arbeiter aufs Pflaster zu werfen. Nach all den Tagen der Pseudoverhandlungen ist man heute wieder am selben Punkt: Keine ernsthafte Garantie was die Zukunft der von Kündigungen bedrohten Arbeiter betrifft! Das ist der Grund – nach mittlerweile zwei Wochen des Kampfes, geprägt von Streiktagen und einer Demonstration – warum wir uns zu einem unbefristeten Streik entschieden haben.

Seit dem Beginn der Bewegung tut PSA alles, um uns zu schädigen: Weitverbreitete Diffamierungen in der Presse, bewaffnete Wachleute und Führungskräfte, die die Fabrik kontrollieren. Und jetzt Bestrafungen:

Sechs Militante, die an der Spitze des Kampfes gegen die Schließung unserer Fabrik stehen, wurden zur Bezirkspolizei zitiert. Unter ihnen sind vier mit einem Ausschlussverfahren mit Aussicht auf Kündigung konfrontiert.

Unser Streik greift ein im Kontext eines umfassenden Angriffs gegen die Welt der Arbeit. Massive Kündigungen, aber auch Vereinbarungen zum Absenken der Löhne und für immer noch flexiblere Arbeiter. Die Vereinbarung über die »Sicherung der Beschäftigung«, wie die Regierung sie schmückt um sie für alle akzeptabel zu machen, ist in Wirklichkeit ein kolossaler sozialer Rückschritt!

Unter dem Vorwand den Arbeitsmarkt zu »modernisieren« und des allgemeinen Interesses ist die ganze Welt der Arbeit von Prekarität bedroht.

Wenn unser Streik die Feindschaft der großen Unternehmer und der Regierung auf sich zieht, dann erhalten wir im Gegenzug die Sympathie einer großen Zahl von Arbeitern. Davon zeugen Treffen, die wir hier mit Arbeitern anderer Unternehmen hatten, besonders jene von Renault, wo Ghosn hofft, eine »konkurrenzfähige« Vereinbarung zu treffen, die auf Kosten der Beschäftigten die Profite aufrecht erhält. Viele sehen unseren Streik als Beispiel und Idee einer schlagfertigen gemeinsamen Antwort gegen seinen Weg.

Arbeiter, unser Streik könnte ein Anfang werden gegen den offensiven und gemeinsamen Angriff der Unternehmer und der Regierung. Macht ihn bekannt, helft ihn zu finanzieren, verteidigt die Idee, dass wir alle zusammen kämpfen müssen.

Unterstützungserklärungen an: salariés de l’automobile du 93, 19-21 rue Jacques DUCLOS, 93600 Aulnay- sous-Bois

Spenden übers Internet: http://www.soutien-salaries-automobile-93.org

Streikinfos: http://cgt-psa-aulnay.fr

Das Streikkomitee

Flugblatt: Alles wird sich ändern!

1000 Flugblätter wurden vor den Toren des Magna Steyr Werks in Graz von Unterstützer_innen verteilt. Die Reaktionen der Arbeiter und Arbeiterinnen waren wieder positiv. Das Flugblatt will vermitteln in einer Phase von:

1. Globaler Krise und globalen Kämpfen, einbrechenden Autoabsätzen in Europa und „Flexibilisierungsangriff“ (dazu in der aktuellen Wildcat oder gekürzt [hier].

2. Metaller-Lohnrunde in Österreich: Das Kapital will, dass die Jungen länger arbeiten ohne Lohnausgleich, die Alten kürzer um weniger Lohn. Außerdem die Aufspaltung der Verhandlungen in die einzelnen Fachverbände, d. h. keine gemeinsamen Verhandlungen. Die Gewerkschaft forderte 5 Prozent mehr Lohn, die Kapitalisten wollten 2,26
geben, was Reallohnverlust bedeuten würde (mittlerweile ist der erste Fachverband durch: +3,3 Prozent für die Maschinen- und Metallwaren-Arbeiter_innen, vorerst keine Flexibilisierung). Ein wenig nachzulesen ist hier, die Trotzkisten vom Funken berichten von der Betriebsrätekonferenz und deren weitere Pläne zur Vorgehensweise: [Link].

3. Umstrukturierung und Einsparungen überall im Land, bei der AUA, bei Österreichs größtem Telekomkonzern A1, Neckermann, im Gesundheits- und Sozialbereich … und natürlich bei Magna Steyr: Engineering und Industrial Services sollen ausgegliedert werden, erste Sozialpläne (höhere Abfindungen) für Angestellte gibt´s schon; direkt am Fließband wird krass am Material und Werkzeug gespart, hier ist teilweise nicht mal mehr ordentliches Arbeiten möglich … von den schleichend immer weniger werdenden Leuten und der Intensivierung mal abgesehen.

Arbeiter und Arbeiterinnen, Kollegen und Kolleginnen!

Alles wird sich ändern!

[Druckversion (pdf)]

Die Unternehmer wollen, dass wir immer weniger verdienen und immer mehr arbeiten! Bei der AUA, im Gesundheits- und Sozialbereich, bei Neckermann, bei A1, bei Magna Steyr … Wir Arbeiter und Arbeiterinnen erledigen zwar die ganze Arbeit, aber für die da oben sind wir nur störende Kosten; die überhaupt froh sein sollten, noch Arbeit zu haben! Es ist an der Zeit, ihnen zu zeigen, dass wir mehr sind als »Kosten«!

Nach fünf Jahren Krise arbeiten wir zu schlechteren Bedingungen und mehr als jemals zuvor. Die dauernde Drohung des Arbeitsplatzverlustes, die täglichen Meldungen über die Krise der Autoindustrie, die »schlechten Aussichten« (das sagen sie immer!) für Lohnerhöhungen in der Herbstlohnrunde, die Zerschlagung des Kollektivvertages, die »Einsparungen« – all das benutzen die Unternehmer, um unter uns Konkurrenz, Schleimerei und Ängste zu schüren. Und es stimmt: Unsere Arbeitsplätze sind nicht mehr sicher! Niemand von der Regierung und niemand von den Betriebsräten und Gewerkschaften wird daran was ändern können. Alle erzählen uns aber, dass Einsparungen »notwendig« sind, wenn wir bestehen wollen. Das sagen sie nur deshalb, um uns noch besser ausbeuten zu können, weil ihr ganzes System nicht mehr funktioniert.

Auf der einen Seite bauen die Unternehmer immer mehr Stellen ab und schließen europaweit immer mehr Werke, aber wir sollen auf der anderen Seite immer mehr Autos in noch kürzerer Zeit und mit noch weniger Kolleg_innen produzieren, die sie den Reichen auf der Welt verkaufen. Nur noch 10 Prozent der verkauften Autos gehen an »Arbeiter_innen«, der Rest an Staaten, Unternehmer, … Doch der Boom in China kommt an ein Ende. Daimler rechnet mit Gewinnrückgang, streicht Schichten und will »einsparen« (auch bei der G-Klasse!). Peugeot entlässt tausende von Leuten und schließt Fabriken. BMW-Mini drückt die Löhne der Arbeiter_innen in ihrem Hauptwerk in Oxford und lässt unsere Fabrik um den nächsten Mini-Auftrag mit der niederländischen NedCar-Fabrik um die schlechtesten Bedingungen konkurrieren. Da sie das Werk in Holland schließen wollten, haben die Arbeiter_innen dort mit einer prekären Situation zu kämpfen – und sind deshalb bereit, für noch weniger Geld zu arbeiten. Eine Spirale nach unten für alle Arbeiter und Arbeiterinnen!

Unser allergrößtes Problem ist, dass wir noch immer glauben, dass wir es schaffen können, wenn wir uns »brav« verhalten, uns »bemühen« und den Mund halten. Aber wir wissen alle, dass wir uns damit selber anlügen und verdrängen, dass sie uns frontal angreifen, frontal spalten, frontal fertig machen und vor allem ungleich behandeln. Warum gibt es Kolleg_innen, die überhaupt nie abgelöst werden und welche, die jederzeit Pause machen können? Und warum gibt es Leute, die noch immer genau dort hin wollen und an einen besseren Arbeitsplatz glauben? Das sind Illusionen!

Kollegen und Kolleginnen! Die Unternehmer und ihr Staat nehmen uns immer mehr weg – Zulagen, Zuschläge, Lohn, freie Zeit – alles soll ihrem Betrieb geopfert werden; und sie spielen uns gegeneinander aus. Aber die heraufziehende Krise wird diesmal gewaltig werden! Sie werden, wenn es sein muss, über Leichen gehen. Das zeigt Griechenland, wo sie die Arbeiter_innen krepieren lassen. Und sie werden versuchen, das mit unzähligen Lügen glatt zu bügeln. Wir müssen verhindern, dass ihr Plan durchgeht – keine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit! Das ganze Geld, das sie für Rettung und Subventionen der Unternehmer und ihrer Staaten haben, müssen wir bekommen. Ob Lohnerhöhungen oder »Rettungspakete für Gekündigte« – die Krise muss von den Unternehmern und ihrem Staat bezahlt werden! Wie wärs erstmal mit 500,- Euro netto mehr für alle?

Ein harmloser Streik wie er letztes Jahr von der Gewerkschaft inszeniert wurde, wird uns wieder in die Niederlage führen. Ein Streik muss den Unternehmern weh tun! Er muss erstens so lange geführt werden, bis sie uns jede einzelne Streikstunde bezahlen und zweitens bis alle Forderungen erfüllt sind. Welche Forderungen das sind, müssen wir gemeinsam in einer Versammlung beschließen! Das heißt, wir brauchen keine Versammlung, in denen der Betriebsrat Kampfreden hält, die sich als heiße Luft entpuppen, sondern Versammlungen, die wir selber organisieren und in denen wir selber reden und unsere Meinung sagen können!

Entweder wir ändern das System und besiegen die Unternehmer oder sie treiben uns in die Armut und in die verschärfte Ausbeutung. Griechenland ist nur der Anfang.

Kapitalismus ist gescheitert!
Er bringt Reichtum für wenige – Ausbeutung, Armut und Krieg für viele.

Streik bei Daimler in Bremen!

Auf dem Blog von Bremen macht Feierabend wird gemeldet, dass unsere Kolleg_innen von Daimler in Bremen am Donnerstag eine Stunde gestreikt haben. Es geht um Arbeitsplatzabbau und Rationalierung. Lest selber!

Gegen Fremdvergabe: Daimler KollegInnen legen Arbeit nieder

Über 2000 KollegInnen aus der Frühschicht haben heute im Bremer Mercedes-Benz Werk für mehr als eine Stunde die Arbeit nieder gelegt, um gegen die geplante Vergabe an Fremdfirmen von Teilen der Werkslogistik und der internen Service Abteilung WPS zu protestieren (siehe aktuelles Kollegeninfo). Anlass war ein Verhandlungsgespräch zwischen Betriebsrat und Bremer Geschäftsführung über die Entscheidung.

Der Bremer Werkleiter Andreas Kellermann hatte bereits auf der letzten Betriebsversammlung im September mit dem Spruch “man muss auch mal loslassen können” für großen Unmut bei der Belegschaft gesorgt. Er begründet die Entscheidung mit Vorgaben der Konzernzentrale und der mangelnden Rentabilität einer “eigenen” Logistik im Wettbewerb. Durch die Fremdvergabe der Logistik sollen in den nächsten Jahren angeblich alleine 11 Millionen Euro eingespart werden. [weiter lesen]

Artikel von Wildcat zur Krise der Autogesellschaft

Der Absatz in Europa sinkt massiv. Die Wachstumsraten in China gehen zurück. Die Krise auch der deutschen »Oberklasse-Hersteller« wird immer deutlicher. VW hält die Passat-Produktion an, Audi entlässt LeiharbeiterInnen, Daimler streicht Schichten, und erste Insolvenzmeldungen machen die Runde (ITC in Siegen).

Derweil zeichnet sich eine weltweite Kampfwelle ab, in der auch AutoarbeiterInnen mitmischen, China, Indien, Südafrika… selbst in Russland gab es im Frühjahr erste Arbeiterunruhen in Zulieferbetrieben von Faurecia und Benteler (VW-Zulieferer). Auch hier bei uns gibt es erste Anfänge von Widerstand. Beim von Schließung betroffenen Iveco-Werk in Weisweil bei Freiburg haben ArbeiterInnen die Tore blockiert und verhindert, dass Maschinen abtransportiert werden.

Was, wenn wir wieder lernen, unsere Ausbeuter zu hassen?

Auto slaves: What if they learn to hate?

Eine europaweite und branchenübergreifende Entlassungswelle beschleunigt sich gerade, die Arbeitslosenzahlen in Europa sind auf Rekordhöhen. Massenentlassungen gibt es aber auch in der BRD: Siemens, RWE, Schlecker, Neckermann, Deutsche Bank, Werften… Auch die Autoindustrie rauscht erneut in die Krise, vorneweg PSA, FIAT und Opel. Seit 2007 wurden bereits 800.000 Jobs in der europäischen Autoindustrie abgebaut, trotzdem glaubten viele festangestellte Autoarbeiter in der BRD bis vor kurzem, dass sie vom erneuten Kriseneinbruch nicht betroffen wären. Bochum war 2009 schließlich nur kurz in Gefahr – bis der Staat mit Abwrackprämien, Konjunkturprogrammen und Sozialplänen einsprang. Während die 25 000 Schlecker-Arbeiterinnen ohne weiteres entlassen wurden, war die drohende Schließung einer Autofabrik eine nationale Angelegenheit. Doch diese Verhältnisse kommen an ein Ende. [weiter lesen]

Flugblatt aus Frankreich gegen die Pläne von PSA Peugeot Citroën

Aktuell beschleunigt sich die Krisendynamik, Massenentlassungen überall in Europa sind im Gang. Was setzen die Arbeiter_innen dem entgegen? Genossen_innen von Mouvment Communiste verteilten Mitte Juli dieses Flugblatt vor der historischen Citroën-Fabrik in Aulnay/Paris, die geschlossen werden soll. (PSA ist ein wichtiger Geschäftspartner von Magna Steyr!)

Um dem Angriff von PSA was entgegenzusetzen muss man zuerst die Fabriken blockieren, die nicht von ihren [Schließungs-]Plänen betroffen sind

Arbeiter, Kollegen!

Seit 2010 wartet PSA den Angriff ab – zuvor mussten sie noch den Wahlzirkus und den Sommerurlaub hinter sich bringen. Aulnay wird dicht gemacht, Rennes auf ein Viertel reduziert, Madrid steht auf dem Spiel und Sevelnord dürfte überleben. Der Plan der Direktion ist seit zwei Jahren bekannt, mit dem Verschwinden der Ausrüstung über Nacht in Aulnay wird er beständig umgesetzt.

Weder das Geschrei Arnaud Montebourgs [sozialistischer Industrieminister] noch die Drohungen Michel Sapins [Sozialist, Minister für Arbeit] werden den Plan aufhalten. Ihr Regierungschef Jean-Marc Ayrault [Sozialist, Premierminister] hat schon nach Verhandlungen gefragt. »Richtige« Verhandlungen, die die Gewerkschaften unterstützen. Philippe Varin [PSA-Chef] reicht ihnen die Hand und lügt vor, dass niemand sich selber überlassen wird. Trotzdem, der Plan des Abbaus von 8.000 bis 10.000 direkten Stellen und 30.000 in der Umgebung (Zulieferer und Dienstleister) wurde noch nicht zurückgezogen oder geändert … Das sind Versprechen, die nichts wert sind.

Die Krokodilstränen des Direktors von Aulnay, Laurent Vergely, oder die rächenden Wörter des Bürgermeisters der Stadt, des Sozialisten Gérard Ségura, der seine »juristische Schlacht« lanciert, wird keinen einzigen Effekt auf PSA haben.

Die betroffenen Arbeiter und Angestellten können sie und ihre Aktionen kaum erwarten.

Es taugt überhaupt nichts, für die Rettung an François Hollande zu appellieren, genau so wenig wie es der Sache dient, die Präsidentschaftskandidaten um ihre Aufmerksamkeit/ihr Engagement anzuflehen.

Arbeiter, Kollegen, nur der Kampf macht sich bezahlt!

Der Einsatz in Aulnay für den Streik ist positiv, aber das reicht nicht. Der Unternehmer unterstützt die Seite, die abbauen oder schließen will. Sich selber zermürben in einem Kampf, der auf die betroffenen Fabriken beschränkt ist, wird die Kräfte, die wir brauchen, nicht zusammenziehen können. Der PSA-Plan weist vor allem die Stärkung von Poissy auf. Das ist die Fabrik, deren normales Funktionieren wir also unterbrechen müssen.

Wie? Mit massiven und wiederholten Arbeitsniederlegungen der Arbeiter in den Fabriken, die nicht auf ihrem Plan stehen. Und delegiert den Kampf nicht an die »Professionellen« von der Gewerkschaft. Das Schicksal der Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen, hängt von jedem einzelnen von euch ab. Stellt nicht die Frage nach dem »Respekt« vor der Arbeit und der Produktion, das ist ihre Arbeit. Die Arbeit mag heute geschützt sein, aber ihre Bedingungen werden schlechter. Die Disziplin und die Leistung werden ansteigen. Dann, morgen, wenn PSA den »schwierigen Moment« überwunden hat, wird nichts mehr zurückgehalten, auch wenn das weitere und andere »Rationalisierungsmaßnahmen« in ihren Fabriken bedeutet.

Es ist nötig, sich ebenfalls nicht auf die kleinen Geschenke der Regierung einzulassen. Ihre offiziellen Aktionen müssen systematisch gestört werden.

Die Pläne, die »sozial« genannt werden, werden häufiger (56.000 Entlassungen in allen Sektoren im nächsten Monat stehen an). Die Arbeiter von Aulnay und Rennes können und müssen zu einer großen Front der entlassenen Arbeiter werden, sie müssen eine große, offensive Demonstration für die Vereinigung ihrer zunehmend verstreuten Realitäten werden und eine permanente Koordination bilden. In diesem Feld müssen wir versuchen, mit anderen Arbeitern in anderen Ländern, die sich in der gleichen Situation befinden, zusammenzukommen.

Was die Ziele anbelangt, sind die zentralen, dass wir die Löhne weiter erhalten!

Die Regierung ist bereit, die französische Autoindustrie direkt zu finanzieren, aber nicht die Arbeiter, die rausgeworfen werden. Das ist das Gegenteil unseres Vorschlags: Die Löhne müssen von den Unternehmern und vom Staat garantiert werden, egal was mit ihren Fabriken geschieht. Und das gleiche mit den Arbeitern, die direkt oder indirekt von der Umstrukturierung betroffen sind. Das Ziel ist ehrgeizig und politisch, aber das einzige, was der Sache gerecht wird.

Am Dienstag, dem 3. Juli, brach ein spontaner Streik in der Lackiererei aus, wo 30 Arbeiter schuften, darunter 20 Leiharbeiter, der die Produktion für fünf Tage unterbrach. Die Lackierer von Poissy, aufgesucht von der Direktion, haben sich geweigert, die Streikbrecher zu spielen. Das Resultat waren ungefähr zwanzig Millionen Mängel für die Firma – und die Zeitarbeitsverträge, die im Oktober 2012 beendet werden sollten, wurden auf Jänner 2013 erweitert. Es reicht ein sicherlich begrenzter, aber entschlossener Kampf einer kleinen Gruppe von Arbeitern, die fähig sind, die Produktion zu unterbrechen, um einen wichtigen Sieg zu erringen.

Arbeiter, Kollegen, die Krise muss von den Unternehmern und ihrem Staat bezahlt werden!

Mouvement Communiste/Kolektivně proti kapitálu, am 17. Juli 2012

Flugblatt: 8 Stunden machen krank – 9 erst recht!

Ein drittes Flugblatt gegen das neue Schichtmodell wurde in der Halle 8 (Lackiererei) und von Unterstützer_innen vor den Toren verteilt. Der Werkschutz war schnell aufgescheucht und vertrieb die Unterstützer_innen, trotzdem fanden einige Zettel den Weg ins Werk. Sie drohten mit Polizei und bestätigten nochmal, dass sich das Management gerade in Angst und Schrecken versetzt fühlt. Der Verfassungsschutz sei eingeschalten.

8 Stunden machen krank – 9 erst recht!

[Druckversion (pdf)]

Wieso wird nun doch eine Prämie ausbezahlt, obwohl sie das als Bestrafung für den Streik im Oktober nicht wollten? Kriegen »die da oben« etwa Angst … ?

Was bedeutet das neue Schichtmodell für uns Arbeiter_innen?
Wir werden durcheinander gewürfelt, versetzt, Kollegenkreise werden zerrissen. Die Arbeitswoche der Kollegin ist anders als meine: Wenn sie am Dienstag frei hat, hab ich am Donnerstag frei.
Wir sehen unsere Kinder weniger: Ich hab am Freitag frei – mein Kind ist in der Schule; ich muss Samstag zur Arbeit – dann ist mein Kind zu Hause.
Unsere Freizeit wird zur Teil-Freizeit. Die angeordnete Urlaubssperre ist die größte Frechheit!
Auch wenn wir über den Berechnungszeitraum »gleich lang« arbeiten, der einzelne Arbeitstag ist länger und wir können den Rest noch weniger sinnvoll nutzen.

Warum führen sie so ein Schichtmodell überhaupt ein?
Die letzte Verkürzung der täglichen Arbeitszeit ist 94 Jahre her. Seither hat der Kapitalismus die Arbeit stetig ausgeweitet (heute wird mehr als jemals zuvor gearbeitet) und produktiver gemacht (rund 7 Mrd. Menschen stellen Nahrungsmittel für 12 Mrd. her). Wir können mit immer weniger Arbeit immer mehr produzieren – und müssen trotzdem länger arbeiten. Das schaffen die Kapitalisten nur, weil sie uns immer wieder neu zusammensetzen und damit immer wieder spalten (Festangestellte/Leiharbeiter/Befristete, Qualifizierte/Unqualifizierte, Frauen/Männer, Inländer/Ausländer, verschiedene Schichten, neuerdings Schichten in den Schichten, zB. A.1, B.2, A.3, B.4, usw.).
Aber der nächste Absatzeinbruch kommt! Peugeot, Fiat, Renault, Ford, Opel, … verkaufen ihre Autos vor allem in den Krisenländern in Südeuropa. Der Absatz ist hier über 40 Prozent zurückgegangen. Opel wird Werke schließen, Ford meldet Kurzarbeit an … In Europa ist jede vierte Autofabrik überflüssig. Alle hoffen, dass es sie nicht treffen wird – und sind dafür bereit, weiter auf Löhne zu verzichten. Das bringt nichts, die Zeiten werden nicht besser.
Die dauernde Drohung von Verlagerung sollte uns auch keine Angst machen, mittlerweile wissen wir: Bisher bekommen sie die G-Klasse in Ungarn gar nicht zusammengebaut und die Löhne steigen auch in Polen. Wenn sie das nächste Mal sagen, dass wir zu teuer sind und sie bei uns einsparen müssen, dann sollten wir ihnen sagen: Na dann geht doch endlich! Besser keine Arbeit als eine, von der man nicht nur dumm und krank wird, sondern auch kaum über die Runden kommt!

Was können wir in der Nachtschicht tun?
Die Schleimerei wird uns nicht retten! Das gegenseitige Reinlassen und Verpfeifen bringt nur den Chefs etwas. Wen sie rauswerfen wollen, werden sie rauswerfen – »Nette«, »Fleißige«, »Motivierte«, »Blonde«, »Braune« … Wer nicht gebraucht wird, wird nicht gebraucht.
Was uns rettet, ist Zusammenhalt! Gemeinsam weniger arbeiten, abgesprochen in den Krankenstand gehen, miteinander reden, den Streik vorbereiten …

Was können die anderen Schichten tun?
Keine halben Sachen! Wenn jemand anfängt zu streiken, dann müssen alle solidarisch sein und die Lackiererei lahm legen. Der ganze scheinbar so perfekte Mechanismus hat einen Schwachpunkt: UNS!

Keine Kündigungen!
Keine Urlaubssperre!
Beibehaltung der 8-Stunden-Schicht!
Wiedereinführung der 8-Stunden-Schicht in Halle 82!