Flugblatt: Unsere Freizeit wurde uns genommen!

In der letzten Oktoberwoche wurde bei Samsung SDI in Zettling (ehem. Magna Steyr Battery Systems, einem Automobilzulieferer für Elektroantriebe Nähe Graz) die 6-Tage-Woche eingeführt – offiziell bis Ende des Jahres. Die ArbeiterInnen werden zu diesen »freiwilligen« Überstunden gezwungen. Die Drohung lautet: Nicht-Erscheinen zur Samstagsschicht hat den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge. Daraufhin haben wir am Donnerstag, 12.11.2015, das nachfolgende Flugblatt verteilt. Es wurden 30 Stück im Umkleideraum deponiert. Noch bevor das FB den Weg in die Fabrikshalle fand, wurde es vom zuständigen Meister entfernt und den Chefs vorgelegt. Der Inhalt verbreitete sich jedoch durch Mundpropaganda weiter. Die Chefs waren aufgescheucht und suchten nach den Schuldigen. Es wurden Leute am Band verhört. Die Stimmung unter den ArbeiterInnen war gespalten: Ein Teil stand der Aktion positiv gegenüber. Der andere Teil hält nichts davon, ihren »super Arbeitsplatz« zu riskieren.

Unsere Freizeit wurde uns genommen!

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Kollegen und Kolleginnen!

Nach acht Jahren Krise arbeiten wir zu schlechteren Bedingungen und mehr als jemals zuvor. Es läuft ein knallharter Angriff auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen – weltweit. Auf der einen Seite entlassen sie Leute in die Arbeitslosigkeit – die Zahlen sind auf einem neuen Höchststand. Auf der anderen Seite sollen die wenigen verbliebenen noch mehr arbeiten. Es sind dieselben Leute, die uns zur Samstagsarbeit zwingen wollen und den Kunden Stückzahlen versprechen, die nicht zu schaffen sind. Dazu nehmen sie unsere schlechte Stimmung, Krankheit, ständige Müdigkeit und Leistungsabfall gerne in Kauf! Denn ohne freien Samstag und Sonntag gibt es keine Möglichkeit, uns körperlich und geistig zu regenerieren.

Wir sollen 25 Stück – um jeden Preis! – bauen, doch anstatt uns zu motivieren und für unsere Leistungen dankbar zu sein, gibt es Schuldvorwürfe. Aber permanenter Leistungsdruck führt zu Einbußen bei der Arbeitssicherheit und Qualität! Wir müssen die Anlagenprobleme ausbaden, nicht einkalkulierte Zusatzarbeiten leisten, personelle Engpässe in Kauf nehmen, auf Wochenenden verzichten und für das Nichterreichen des Tagessolls den Kopf hinhalten. Auch finanziell zahlen wir drauf! Das Auszahlen aller angeordneten Überstunden ist für uns durch die Steuerregelung ein Nachteil und deshalb unattraktiv! Doch »unser« Betriebsrat hat kein Problem mit der Samstagsarbeit. Sondern übernimmt ohne zu zögern die Rhetorik vom Management und gibt uns zu verstehen, dass die Interessen von unseren Kunden wichtiger sind, als unsere eigenen. Der Betriebsrat vertritt nicht uns Arbeiter und Arbeiterinnen sondern ist auf der Seite der Chefs!

Unsere Flexibilität haben wir bereits bewiesen, in dem wir widerstandslos die neuen Schichtmodelle akzeptierten. Dadurch verzichten wir – für die Firma! – bereits auf einen Teil unseres Privatlebens. Jetzt wurde eine 6-Tage-Woche eingeführt und das Ende unserer Geduld und Flexibilität ist nun erreicht! Offiziell soll die Samstagsarbeit mit 23.12. enden. In Wirklichkeit werden wir so lange Überstunden machen, bis wir den Produktionsrückstand (über 400 Speicher!) aufgeholt haben und die festgelegten Stückzahlen erreichen. Wenn es gesetzlich möglich wäre, hätten wir schon eine 7-Tage-Woche und würden trotzdem den Kundenaufträgen hinterherhinken. Und bei einem täglich wachsenden Produktionsrückstand sprechen sie ernsthaft von einer Stückzahlerhöhung. Wenn wir unsere Ablehnung und Wut ausdrücken, bekommen wir platte Phrasen zu hören, wie: »Ihr seid ja freiwillig hier!« oder: »Wenn es euch nicht passt, dann könnt ihr ja gehen!«. Aber wir werden nicht gehen, wir bleiben hier! Denn niemand möchte seinen Arbeitsplatz verlieren. Wer macht denn die ganze Arbeit? Ohne uns steht alles still und es läuft kein einziger Speicher vom Band. Sie legen willkürlich neue »Regeln« fest. Wir sollen jederzeit dazu bereit sein, Überstunden zu machen und widerspruchslos auf unsere Freizeit verzichten. Und wofür? Damit sie sich die längerfristige Planung sparen. Aber nicht mit uns! Es wird Zeit, dass wir die Füße nicht mehr still halten und in Bewegung kommen.

Wir müssen kollektiven Widerstand leisten.
Gemeinsam die Samstagsarbeit verweigern! Zuhause bleiben!

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