Flugblatt: Die Kündigungen haben System!

Nachdem einzelnen ArbeiterInnen unter fadenscheinigen Begründungen gekündigt wurde, haben wir am Montag, 14.04.2014 das nachfolgende Flugblatt in der Fabrik des Grazer Rolllädenherstellers Wo&Wo verteilt. Es wurden 50 Stück in den Umkleide- und Aufenthaltsräumen deponiert. Die ArbeiterInnen haben das Flugblatt während der Pause gelesen und diese zu ihren Arbeitsplätzen mitgenommen. Es bildeten sich kleine Gruppen, die darüber redeten. Die Stimmung ist jedoch getrübt, weil zwar viele dem Flugblatt inhaltlich zustimmen, aber die ArbeiterInnen wissen, dass gerade in allen Betrieben Personal abgebaut wird und es dagegen gerade keine wirksame Gegenwehr zu geben scheint. So ist auch der Parole „Wir müssen uns organisieren!“ hinzuzufügen: Wie denn und mit wem??

Die Kündigungen haben System!

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Kollegen und Kolleginnen!!

Am Montag, 7. April war es wieder soweit: Es wurden Leute gekündigt. Schon seit ein paar Wochen werden unsere Kollegen und Kolleginnen nach der Reihe vor die Türe gesetzt. Das alles passiert still und vereinzelt. Auf der einen Seite soll nicht zu viel Aufmerksamkeit erregt werden. Auf der anderen Seite sollen wir nicht unruhig werden. Zu auffällig wäre es, wenn die Chefs auf einen Schlag 20 ArbeiterInnen raushauen. Ist es bloß ein Gefühl, dass das alles mit System geschieht?

Unsere Kollegen und Kolleginnen, die jahrelang bei Wo&Wo geschafft haben, werden mit fadenscheinigen Begründungen gekündigt! Doch an zu langsamer und ungenauer Arbeitsweise, Krankenstand oder fehlenden Aufträgen kann es nicht liegen.

Was steckt dahinter?

Vor einiger Zeit haben sie eine Abteilung nach Deutschland verlegt und die Leute auf andere Bereiche aufgeteilt. Um nicht alle gleichzeitig rauszuhauen, weil das zu viel negative Schlagzeilen machen und vielleicht Widerstand hervorbringen würde, kündigt das Management jetzt langsam und nacheinander diejenigen, von denen sie behaupten, dass sie überflüssig sind.

Verschlimmern wird sich, was wir jetzt schon spüren:
– Immer weniger Leute sollen immer mehr und schneller arbeiten – und diese Mehrarbeit wollen sie nicht mal bezahlen.
– Jederzeit sollen wir dazu bereit sein, Überstunden zu machen. Natürlich widerspruchslos. Sie betrachten es als selbstverständlich, dass wir für die Firma leben. Im Management-Sprech heißt es: »Der Arbeitsrhythmus wird an die Auftragslage angepasst.« In Wirklichkeit sparen sie sich einfach die längerfristige Planung.

Wenn unsere Kollegen und Kolleginnen gekündigt werden, können wir dann einfach den Kopf in den Sand stecken und so tun als wäre nichts gewesen? Niemand weiß, wer der oder die nächste ist, aber es wird wieder passieren. Die Arbeit, die die fehlenden Kollegen und Kolleginnen gemacht haben, werden sie uns aufzwingen. Ob wir wollen oder nicht – es betrifft uns alle.

Wir müssen uns organisieren!