Flugblatt: Alles wird sich ändern!

1000 Flugblätter wurden vor den Toren des Magna Steyr Werks in Graz von Unterstützer_innen verteilt. Die Reaktionen der Arbeiter und Arbeiterinnen waren wieder positiv. Das Flugblatt will vermitteln in einer Phase von:

1. Globaler Krise und globalen Kämpfen, einbrechenden Autoabsätzen in Europa und „Flexibilisierungsangriff“ (dazu in der aktuellen Wildcat oder gekürzt [hier].

2. Metaller-Lohnrunde in Österreich: Das Kapital will, dass die Jungen länger arbeiten ohne Lohnausgleich, die Alten kürzer um weniger Lohn. Außerdem die Aufspaltung der Verhandlungen in die einzelnen Fachverbände, d. h. keine gemeinsamen Verhandlungen. Die Gewerkschaft forderte 5 Prozent mehr Lohn, die Kapitalisten wollten 2,26
geben, was Reallohnverlust bedeuten würde (mittlerweile ist der erste Fachverband durch: +3,3 Prozent für die Maschinen- und Metallwaren-Arbeiter_innen, vorerst keine Flexibilisierung). Ein wenig nachzulesen ist hier, die Trotzkisten vom Funken berichten von der Betriebsrätekonferenz und deren weitere Pläne zur Vorgehensweise: [Link].

3. Umstrukturierung und Einsparungen überall im Land, bei der AUA, bei Österreichs größtem Telekomkonzern A1, Neckermann, im Gesundheits- und Sozialbereich … und natürlich bei Magna Steyr: Engineering und Industrial Services sollen ausgegliedert werden, erste Sozialpläne (höhere Abfindungen) für Angestellte gibt´s schon; direkt am Fließband wird krass am Material und Werkzeug gespart, hier ist teilweise nicht mal mehr ordentliches Arbeiten möglich … von den schleichend immer weniger werdenden Leuten und der Intensivierung mal abgesehen.

Arbeiter und Arbeiterinnen, Kollegen und Kolleginnen!

Alles wird sich ändern!

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Die Unternehmer wollen, dass wir immer weniger verdienen und immer mehr arbeiten! Bei der AUA, im Gesundheits- und Sozialbereich, bei Neckermann, bei A1, bei Magna Steyr … Wir Arbeiter und Arbeiterinnen erledigen zwar die ganze Arbeit, aber für die da oben sind wir nur störende Kosten; die überhaupt froh sein sollten, noch Arbeit zu haben! Es ist an der Zeit, ihnen zu zeigen, dass wir mehr sind als »Kosten«!

Nach fünf Jahren Krise arbeiten wir zu schlechteren Bedingungen und mehr als jemals zuvor. Die dauernde Drohung des Arbeitsplatzverlustes, die täglichen Meldungen über die Krise der Autoindustrie, die »schlechten Aussichten« (das sagen sie immer!) für Lohnerhöhungen in der Herbstlohnrunde, die Zerschlagung des Kollektivvertages, die »Einsparungen« – all das benutzen die Unternehmer, um unter uns Konkurrenz, Schleimerei und Ängste zu schüren. Und es stimmt: Unsere Arbeitsplätze sind nicht mehr sicher! Niemand von der Regierung und niemand von den Betriebsräten und Gewerkschaften wird daran was ändern können. Alle erzählen uns aber, dass Einsparungen »notwendig« sind, wenn wir bestehen wollen. Das sagen sie nur deshalb, um uns noch besser ausbeuten zu können, weil ihr ganzes System nicht mehr funktioniert.

Auf der einen Seite bauen die Unternehmer immer mehr Stellen ab und schließen europaweit immer mehr Werke, aber wir sollen auf der anderen Seite immer mehr Autos in noch kürzerer Zeit und mit noch weniger Kolleg_innen produzieren, die sie den Reichen auf der Welt verkaufen. Nur noch 10 Prozent der verkauften Autos gehen an »Arbeiter_innen«, der Rest an Staaten, Unternehmer, … Doch der Boom in China kommt an ein Ende. Daimler rechnet mit Gewinnrückgang, streicht Schichten und will »einsparen« (auch bei der G-Klasse!). Peugeot entlässt tausende von Leuten und schließt Fabriken. BMW-Mini drückt die Löhne der Arbeiter_innen in ihrem Hauptwerk in Oxford und lässt unsere Fabrik um den nächsten Mini-Auftrag mit der niederländischen NedCar-Fabrik um die schlechtesten Bedingungen konkurrieren. Da sie das Werk in Holland schließen wollten, haben die Arbeiter_innen dort mit einer prekären Situation zu kämpfen – und sind deshalb bereit, für noch weniger Geld zu arbeiten. Eine Spirale nach unten für alle Arbeiter und Arbeiterinnen!

Unser allergrößtes Problem ist, dass wir noch immer glauben, dass wir es schaffen können, wenn wir uns »brav« verhalten, uns »bemühen« und den Mund halten. Aber wir wissen alle, dass wir uns damit selber anlügen und verdrängen, dass sie uns frontal angreifen, frontal spalten, frontal fertig machen und vor allem ungleich behandeln. Warum gibt es Kolleg_innen, die überhaupt nie abgelöst werden und welche, die jederzeit Pause machen können? Und warum gibt es Leute, die noch immer genau dort hin wollen und an einen besseren Arbeitsplatz glauben? Das sind Illusionen!

Kollegen und Kolleginnen! Die Unternehmer und ihr Staat nehmen uns immer mehr weg – Zulagen, Zuschläge, Lohn, freie Zeit – alles soll ihrem Betrieb geopfert werden; und sie spielen uns gegeneinander aus. Aber die heraufziehende Krise wird diesmal gewaltig werden! Sie werden, wenn es sein muss, über Leichen gehen. Das zeigt Griechenland, wo sie die Arbeiter_innen krepieren lassen. Und sie werden versuchen, das mit unzähligen Lügen glatt zu bügeln. Wir müssen verhindern, dass ihr Plan durchgeht – keine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit! Das ganze Geld, das sie für Rettung und Subventionen der Unternehmer und ihrer Staaten haben, müssen wir bekommen. Ob Lohnerhöhungen oder »Rettungspakete für Gekündigte« – die Krise muss von den Unternehmern und ihrem Staat bezahlt werden! Wie wärs erstmal mit 500,- Euro netto mehr für alle?

Ein harmloser Streik wie er letztes Jahr von der Gewerkschaft inszeniert wurde, wird uns wieder in die Niederlage führen. Ein Streik muss den Unternehmern weh tun! Er muss erstens so lange geführt werden, bis sie uns jede einzelne Streikstunde bezahlen und zweitens bis alle Forderungen erfüllt sind. Welche Forderungen das sind, müssen wir gemeinsam in einer Versammlung beschließen! Das heißt, wir brauchen keine Versammlung, in denen der Betriebsrat Kampfreden hält, die sich als heiße Luft entpuppen, sondern Versammlungen, die wir selber organisieren und in denen wir selber reden und unsere Meinung sagen können!

Entweder wir ändern das System und besiegen die Unternehmer oder sie treiben uns in die Armut und in die verschärfte Ausbeutung. Griechenland ist nur der Anfang.

Kapitalismus ist gescheitert!
Er bringt Reichtum für wenige – Ausbeutung, Armut und Krieg für viele.

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Streik bei Daimler in Bremen!

Auf dem Blog von Bremen macht Feierabend wird gemeldet, dass unsere Kolleg_innen von Daimler in Bremen am Donnerstag eine Stunde gestreikt haben. Es geht um Arbeitsplatzabbau und Rationalierung. Lest selber!

Gegen Fremdvergabe: Daimler KollegInnen legen Arbeit nieder

Über 2000 KollegInnen aus der Frühschicht haben heute im Bremer Mercedes-Benz Werk für mehr als eine Stunde die Arbeit nieder gelegt, um gegen die geplante Vergabe an Fremdfirmen von Teilen der Werkslogistik und der internen Service Abteilung WPS zu protestieren (siehe aktuelles Kollegeninfo). Anlass war ein Verhandlungsgespräch zwischen Betriebsrat und Bremer Geschäftsführung über die Entscheidung.

Der Bremer Werkleiter Andreas Kellermann hatte bereits auf der letzten Betriebsversammlung im September mit dem Spruch “man muss auch mal loslassen können” für großen Unmut bei der Belegschaft gesorgt. Er begründet die Entscheidung mit Vorgaben der Konzernzentrale und der mangelnden Rentabilität einer “eigenen” Logistik im Wettbewerb. Durch die Fremdvergabe der Logistik sollen in den nächsten Jahren angeblich alleine 11 Millionen Euro eingespart werden. [weiter lesen]

Artikel von Wildcat zur Krise der Autogesellschaft

Der Absatz in Europa sinkt massiv. Die Wachstumsraten in China gehen zurück. Die Krise auch der deutschen »Oberklasse-Hersteller« wird immer deutlicher. VW hält die Passat-Produktion an, Audi entlässt LeiharbeiterInnen, Daimler streicht Schichten, und erste Insolvenzmeldungen machen die Runde (ITC in Siegen).

Derweil zeichnet sich eine weltweite Kampfwelle ab, in der auch AutoarbeiterInnen mitmischen, China, Indien, Südafrika… selbst in Russland gab es im Frühjahr erste Arbeiterunruhen in Zulieferbetrieben von Faurecia und Benteler (VW-Zulieferer). Auch hier bei uns gibt es erste Anfänge von Widerstand. Beim von Schließung betroffenen Iveco-Werk in Weisweil bei Freiburg haben ArbeiterInnen die Tore blockiert und verhindert, dass Maschinen abtransportiert werden.

Was, wenn wir wieder lernen, unsere Ausbeuter zu hassen?

Auto slaves: What if they learn to hate?

Eine europaweite und branchenübergreifende Entlassungswelle beschleunigt sich gerade, die Arbeitslosenzahlen in Europa sind auf Rekordhöhen. Massenentlassungen gibt es aber auch in der BRD: Siemens, RWE, Schlecker, Neckermann, Deutsche Bank, Werften… Auch die Autoindustrie rauscht erneut in die Krise, vorneweg PSA, FIAT und Opel. Seit 2007 wurden bereits 800.000 Jobs in der europäischen Autoindustrie abgebaut, trotzdem glaubten viele festangestellte Autoarbeiter in der BRD bis vor kurzem, dass sie vom erneuten Kriseneinbruch nicht betroffen wären. Bochum war 2009 schließlich nur kurz in Gefahr – bis der Staat mit Abwrackprämien, Konjunkturprogrammen und Sozialplänen einsprang. Während die 25 000 Schlecker-Arbeiterinnen ohne weiteres entlassen wurden, war die drohende Schließung einer Autofabrik eine nationale Angelegenheit. Doch diese Verhältnisse kommen an ein Ende. [weiter lesen]