Flugblatt aus Frankreich gegen die Pläne von PSA Peugeot Citroën

Aktuell beschleunigt sich die Krisendynamik, Massenentlassungen überall in Europa sind im Gang. Was setzen die Arbeiter_innen dem entgegen? Genossen_innen von Mouvment Communiste verteilten Mitte Juli dieses Flugblatt vor der historischen Citroën-Fabrik in Aulnay/Paris, die geschlossen werden soll. (PSA ist ein wichtiger Geschäftspartner von Magna Steyr!)

Um dem Angriff von PSA was entgegenzusetzen muss man zuerst die Fabriken blockieren, die nicht von ihren [Schließungs-]Plänen betroffen sind

Arbeiter, Kollegen!

Seit 2010 wartet PSA den Angriff ab – zuvor mussten sie noch den Wahlzirkus und den Sommerurlaub hinter sich bringen. Aulnay wird dicht gemacht, Rennes auf ein Viertel reduziert, Madrid steht auf dem Spiel und Sevelnord dürfte überleben. Der Plan der Direktion ist seit zwei Jahren bekannt, mit dem Verschwinden der Ausrüstung über Nacht in Aulnay wird er beständig umgesetzt.

Weder das Geschrei Arnaud Montebourgs [sozialistischer Industrieminister] noch die Drohungen Michel Sapins [Sozialist, Minister für Arbeit] werden den Plan aufhalten. Ihr Regierungschef Jean-Marc Ayrault [Sozialist, Premierminister] hat schon nach Verhandlungen gefragt. »Richtige« Verhandlungen, die die Gewerkschaften unterstützen. Philippe Varin [PSA-Chef] reicht ihnen die Hand und lügt vor, dass niemand sich selber überlassen wird. Trotzdem, der Plan des Abbaus von 8.000 bis 10.000 direkten Stellen und 30.000 in der Umgebung (Zulieferer und Dienstleister) wurde noch nicht zurückgezogen oder geändert … Das sind Versprechen, die nichts wert sind.

Die Krokodilstränen des Direktors von Aulnay, Laurent Vergely, oder die rächenden Wörter des Bürgermeisters der Stadt, des Sozialisten Gérard Ségura, der seine »juristische Schlacht« lanciert, wird keinen einzigen Effekt auf PSA haben.

Die betroffenen Arbeiter und Angestellten können sie und ihre Aktionen kaum erwarten.

Es taugt überhaupt nichts, für die Rettung an François Hollande zu appellieren, genau so wenig wie es der Sache dient, die Präsidentschaftskandidaten um ihre Aufmerksamkeit/ihr Engagement anzuflehen.

Arbeiter, Kollegen, nur der Kampf macht sich bezahlt!

Der Einsatz in Aulnay für den Streik ist positiv, aber das reicht nicht. Der Unternehmer unterstützt die Seite, die abbauen oder schließen will. Sich selber zermürben in einem Kampf, der auf die betroffenen Fabriken beschränkt ist, wird die Kräfte, die wir brauchen, nicht zusammenziehen können. Der PSA-Plan weist vor allem die Stärkung von Poissy auf. Das ist die Fabrik, deren normales Funktionieren wir also unterbrechen müssen.

Wie? Mit massiven und wiederholten Arbeitsniederlegungen der Arbeiter in den Fabriken, die nicht auf ihrem Plan stehen. Und delegiert den Kampf nicht an die »Professionellen« von der Gewerkschaft. Das Schicksal der Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen, hängt von jedem einzelnen von euch ab. Stellt nicht die Frage nach dem »Respekt« vor der Arbeit und der Produktion, das ist ihre Arbeit. Die Arbeit mag heute geschützt sein, aber ihre Bedingungen werden schlechter. Die Disziplin und die Leistung werden ansteigen. Dann, morgen, wenn PSA den »schwierigen Moment« überwunden hat, wird nichts mehr zurückgehalten, auch wenn das weitere und andere »Rationalisierungsmaßnahmen« in ihren Fabriken bedeutet.

Es ist nötig, sich ebenfalls nicht auf die kleinen Geschenke der Regierung einzulassen. Ihre offiziellen Aktionen müssen systematisch gestört werden.

Die Pläne, die »sozial« genannt werden, werden häufiger (56.000 Entlassungen in allen Sektoren im nächsten Monat stehen an). Die Arbeiter von Aulnay und Rennes können und müssen zu einer großen Front der entlassenen Arbeiter werden, sie müssen eine große, offensive Demonstration für die Vereinigung ihrer zunehmend verstreuten Realitäten werden und eine permanente Koordination bilden. In diesem Feld müssen wir versuchen, mit anderen Arbeitern in anderen Ländern, die sich in der gleichen Situation befinden, zusammenzukommen.

Was die Ziele anbelangt, sind die zentralen, dass wir die Löhne weiter erhalten!

Die Regierung ist bereit, die französische Autoindustrie direkt zu finanzieren, aber nicht die Arbeiter, die rausgeworfen werden. Das ist das Gegenteil unseres Vorschlags: Die Löhne müssen von den Unternehmern und vom Staat garantiert werden, egal was mit ihren Fabriken geschieht. Und das gleiche mit den Arbeitern, die direkt oder indirekt von der Umstrukturierung betroffen sind. Das Ziel ist ehrgeizig und politisch, aber das einzige, was der Sache gerecht wird.

Am Dienstag, dem 3. Juli, brach ein spontaner Streik in der Lackiererei aus, wo 30 Arbeiter schuften, darunter 20 Leiharbeiter, der die Produktion für fünf Tage unterbrach. Die Lackierer von Poissy, aufgesucht von der Direktion, haben sich geweigert, die Streikbrecher zu spielen. Das Resultat waren ungefähr zwanzig Millionen Mängel für die Firma – und die Zeitarbeitsverträge, die im Oktober 2012 beendet werden sollten, wurden auf Jänner 2013 erweitert. Es reicht ein sicherlich begrenzter, aber entschlossener Kampf einer kleinen Gruppe von Arbeitern, die fähig sind, die Produktion zu unterbrechen, um einen wichtigen Sieg zu erringen.

Arbeiter, Kollegen, die Krise muss von den Unternehmern und ihrem Staat bezahlt werden!

Mouvement Communiste/Kolektivně proti kapitálu, am 17. Juli 2012