Flugblatt: 8 Stunden machen krank – 9 erst recht!

Ein drittes Flugblatt gegen das neue Schichtmodell wurde in der Halle 8 (Lackiererei) und von Unterstützer_innen vor den Toren verteilt. Der Werkschutz war schnell aufgescheucht und vertrieb die Unterstützer_innen, trotzdem fanden einige Zettel den Weg ins Werk. Sie drohten mit Polizei und bestätigten nochmal, dass sich das Management gerade in Angst und Schrecken versetzt fühlt. Der Verfassungsschutz sei eingeschalten.

8 Stunden machen krank – 9 erst recht!

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Wieso wird nun doch eine Prämie ausbezahlt, obwohl sie das als Bestrafung für den Streik im Oktober nicht wollten? Kriegen »die da oben« etwa Angst … ?

Was bedeutet das neue Schichtmodell für uns Arbeiter_innen?
Wir werden durcheinander gewürfelt, versetzt, Kollegenkreise werden zerrissen. Die Arbeitswoche der Kollegin ist anders als meine: Wenn sie am Dienstag frei hat, hab ich am Donnerstag frei.
Wir sehen unsere Kinder weniger: Ich hab am Freitag frei – mein Kind ist in der Schule; ich muss Samstag zur Arbeit – dann ist mein Kind zu Hause.
Unsere Freizeit wird zur Teil-Freizeit. Die angeordnete Urlaubssperre ist die größte Frechheit!
Auch wenn wir über den Berechnungszeitraum »gleich lang« arbeiten, der einzelne Arbeitstag ist länger und wir können den Rest noch weniger sinnvoll nutzen.

Warum führen sie so ein Schichtmodell überhaupt ein?
Die letzte Verkürzung der täglichen Arbeitszeit ist 94 Jahre her. Seither hat der Kapitalismus die Arbeit stetig ausgeweitet (heute wird mehr als jemals zuvor gearbeitet) und produktiver gemacht (rund 7 Mrd. Menschen stellen Nahrungsmittel für 12 Mrd. her). Wir können mit immer weniger Arbeit immer mehr produzieren – und müssen trotzdem länger arbeiten. Das schaffen die Kapitalisten nur, weil sie uns immer wieder neu zusammensetzen und damit immer wieder spalten (Festangestellte/Leiharbeiter/Befristete, Qualifizierte/Unqualifizierte, Frauen/Männer, Inländer/Ausländer, verschiedene Schichten, neuerdings Schichten in den Schichten, zB. A.1, B.2, A.3, B.4, usw.).
Aber der nächste Absatzeinbruch kommt! Peugeot, Fiat, Renault, Ford, Opel, … verkaufen ihre Autos vor allem in den Krisenländern in Südeuropa. Der Absatz ist hier über 40 Prozent zurückgegangen. Opel wird Werke schließen, Ford meldet Kurzarbeit an … In Europa ist jede vierte Autofabrik überflüssig. Alle hoffen, dass es sie nicht treffen wird – und sind dafür bereit, weiter auf Löhne zu verzichten. Das bringt nichts, die Zeiten werden nicht besser.
Die dauernde Drohung von Verlagerung sollte uns auch keine Angst machen, mittlerweile wissen wir: Bisher bekommen sie die G-Klasse in Ungarn gar nicht zusammengebaut und die Löhne steigen auch in Polen. Wenn sie das nächste Mal sagen, dass wir zu teuer sind und sie bei uns einsparen müssen, dann sollten wir ihnen sagen: Na dann geht doch endlich! Besser keine Arbeit als eine, von der man nicht nur dumm und krank wird, sondern auch kaum über die Runden kommt!

Was können wir in der Nachtschicht tun?
Die Schleimerei wird uns nicht retten! Das gegenseitige Reinlassen und Verpfeifen bringt nur den Chefs etwas. Wen sie rauswerfen wollen, werden sie rauswerfen – »Nette«, »Fleißige«, »Motivierte«, »Blonde«, »Braune« … Wer nicht gebraucht wird, wird nicht gebraucht.
Was uns rettet, ist Zusammenhalt! Gemeinsam weniger arbeiten, abgesprochen in den Krankenstand gehen, miteinander reden, den Streik vorbereiten …

Was können die anderen Schichten tun?
Keine halben Sachen! Wenn jemand anfängt zu streiken, dann müssen alle solidarisch sein und die Lackiererei lahm legen. Der ganze scheinbar so perfekte Mechanismus hat einen Schwachpunkt: UNS!

Keine Kündigungen!
Keine Urlaubssperre!
Beibehaltung der 8-Stunden-Schicht!
Wiedereinführung der 8-Stunden-Schicht in Halle 82!

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